Ausschluss und Ächtung

Erwachet 8. Januar 1947 (Englischsprachig), Seite 27, 28 - Bist auch du ausgeschlossen?:
[...] die Exkommunikation [...] als Strafe [...] findet in diesen [biblischen] Schriften keine Unterstützung. [...]
Später [...] wurde die Waffe der Exkommunikation zum Instrument [...], die in der Geschichte keine Parallele findet.

Verhalten gegenüber ehemaligen Zeugen Jehovas

Der Wachtturm - Studienausgabe Oktober 2021, Studienartikel 41 Unser Gott ist „reich an Barmherzigkeit“:
Absatz 9: Wenn in der Versammlung bekannt gegeben wird, dass jemand, den wir kennen und lieben, „kein Zeuge Jehovas mehr“ ist, macht uns das sehr traurig. Wir fragen uns vielleicht, ob es wirklich nötig war, ihn auszuschließen. [...]
Absatz 11: Ein Ausgeschlossener lässt sich mit so einem kranken Schaf vergleichen. Er ist im Glauben krank (Jak. 5:14). Auch diese Art Krankheit kann ziemlich ansteckend sein. Deshalb ist es in manchen Fällen nötig, jemanden, der im Glauben krank ist, von der Versammlung zu isolieren. Diese Maßnahme zeugt von Jehovas Liebe zu seinen treuen Schafen. [...]
Absatz 12: Denken wir daran, dass nur reuelose Sünder ausgeschlossen werden. [...]

Interessanter Weise erkennt man an der Bekanntmachung nicht, ob jemand wegen einer schweren Sünde ausgeschlossen wurde oder ob jemand sich selbst entschieden hat zu gehen. Die oben angeführten Aussagen legen nahe, dass jemand, der „kein Zeuge Jehovas mehr“ ist, ein reueloser Sünder ist, selbst wenn er sich nur von der Organisation der Zeugen Jehovas getrennt hat und keine Sünde im biblischen Sinn begangen hat.
Gehorsame Zeugen Jehovas meiden strikt den Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern der Gemeinschaft. Diese werden nicht einmal gegrüßt:
Wachtturm 1985 - w85 15. 7. S. 30-31 (Fragen von Lesern):
Wenn ja, dann ermahnte er [Johannes] die Christen damit nicht, lediglich die herzliche Begrüßung (mit einer Umarmung, einem Kuß und einer Unterhaltung) einer Person zu meiden, die Irrlehren lehrte oder die Versammlung verwarf (abtrünnig war). Vielmehr wollte Johannes sagen, daß sie eine solche Person nicht einmal mit cháirō, einem üblichen „Guten Tag“, grüßen sollten.
Sie stützen sich dabei gerne auf folgenden Bibeltext, auf den auch im oben zitierten Artikel eingegangen wird:
2. Johannes 1:10, 11
Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn niemals in euer Haus auf, noch entbietet ihm einen Gruß. 11Denn wer ihm einen Gruß entbietet, hat an seinen bösen Werken teil.
Um welche Lehre geht es denn hier? Was zeigt der Kontext im Vers zuvor?
2. Johannes 1:9
Jeder, der vorausdrängt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht. Wer in dieser Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn.
Es geht also um die Lehre des Christus. Bedeutet das dann nicht, dass jemand, der die Organisation der Zeugen Jehovas verlässt - egal ob freiwillig oder unfreiwillig - aber an Christus glaubt, von dieser Aussage nicht betroffen ist?
Wenn aber nun jemand die Organisation verlässt, aber weiterhin an Jesus glaubt, wird von Zeugen Jehovas erwartet, dass sie diese Person nicht mehr grüßen und jeden Kontakt abbrechen. Zeigt das dann nicht, dass der Glaube an die Organisation wichtiger ist, als der Glaube an Jesus? Ja stellt sich damit die Organisation nicht über den Sohn Gottes, Jesus Christus?
Ein weiterer im Zusammenhang mit ehemligen Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft gerne zitierter Text ist auch 1. Korinther 5:11 :
1. Korinther 5:11
Nun aber schreibe ich euch, dass ihr mit jemandem, der Bruder genannt wird, keinen Umgang mehr haben sollt, wenn er sexuell unmoralisch handelt, wenn er ein habgieriger Mensch ist, ein Götzendiener, jemand, der andere übel beschimpft, ein Trinker oder ein Erpresser, dass ihr nicht einmal mit einem solchen Menschen essen sollt.
Lässt sich dieser Text auf Menschen anwenden, die die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas verlassen haben, weil sie die Organisation ablehnen? Indem aber bei jemanden, der die Zeugen Jehovas aus freien Stücken verlässt die gleichen Worte gewählt werden, wie bei einem schweren Sünder, legt man doch die Vermutung nahe, dass jemand der freiwillig gegangen ist, ein schwerer Sünder wäre, wie es auch im oben zitierten Wachtturm behauptet wird. Die Zuhörer in der Versammlung werden also bewusst irre geleitet, wenn jemand freiwillig die Organisation verlässt.
Indem man durch Artikel wie diesem Wachtturm oder fälschlich auf Aussteiger angewandte Bibeltexte wie 1. Korinther 5:11 so tut, als wäre jemand, der sich nur von der Organisation abgewandt hat, ein schwerer Sünder sei, hält man die anderen Mitglieder der Versammlung davon ab, mit diesem vermeintlichen Sünder Kontakt zu haben, obwohl er/sie sich im biblischen Sinn nicht versündigt hat.

Sanktionen gegenüber denen, die die Praxis der Ächtung nicht umsetzen

[sfl-X] „Hütet die Herde Gottes“ (Auflage 2020, Kapitel 12.17, Absatz (1))
Bei dem Buch "Hütet die Herde Gottes" handelt sich um ein Buch, das der „normale“ Zeuge Jehovas nicht erhält, sondern das ausschließlich Ältesten vorbehalten ist. Das Buch wird regelmäßig aktualisiert und neu herausgegeben. Fett und kursiv dargestellte Stellen wurden direkt aus der Quelle übernommen.
Im Kapitel 12, das überschrieben ist „Beurteilen, ob ein Rechtskomitee gebildet werden muss“ heißt es hier:
(1) Unnötiger Umgang mit Ausgeschlossenen oder Personen, die die Gemeinschaft verlassen haben: Hat jemand trotz wiederholten Rats vorsätzlich und immer wieder unnötigen Umgang mit Ausgeschlossen oder mit Personen, die die Gemeinschaft verlassen haben, mit denen er nicht verwandt ist, ist ein Rechtskomiteeverfahren erforderlich (Mat. 18:17b; 1. Kor. 5:11, 13; 2. Joh. 10, 11; lvs S. 39, 40).
Sind Brüder oder Schwestern in der Versammlung dafür bekannt, unnötigen Umgang mit Verwandten zu haben, die außerhalb ihres Haushalts wohnen und ausgeschlossen sind oder die Gemeinschaft verlassen haben, sollten Älteste mit ihnen reden, biblischen Rat geben und mit ihnen nochmals die Gedanken im Buch Bleib in Gottes Liebe auf Seite 241 durchgehen. Steht fest, dass ein Anbeter Jehovas in dieser Hinsicht gegen den Geist eines Gemeinschaftsentzugs verstößt und Rat ignoriert, eignet er sich nicht mehr für Vorrechte, weil diese Vorbildlichkeit erfordern. Ein Rechtskomitee wird nicht tätig, es sei denn, der Betreffende pflegt beharrlich geistige Gemeinschaft oder kritisiert immer wieder offen den Gemeinschaftsentzug.

Ist ein Ausschluss (Exkommunikation) biblisch?

Was sagt dazu das Erwachet 1947?
Awake January 8, 1947 p. 27, 28 - Are You Also Excommunicated?:
The authority for excommunication, they claim, is based on the teachings of christ and the apostles, as found in the following scriptures: Matthew 18:15-19, 1. Corinthians 5:3-5, 16:22; Galatians 1:8, 9; 1. Timothy 1:20; Titus 3:10. But the Hierarchy’s excommunication as a punishment and "medicinal" remedy (Catholic Encyclopedia), finds no support in these scriptures. In fact, it is altogether foreign to Bible teachings — Hebrews 10:26-31.
Where, then, did this practice originate? The Encyclopædia Britannica says that papal excommunication ist not without pagan influence, "and its variations cannot be adequately explained undless account be taken of several non-Christian analogues of excommunication.". […]
Thereafter, as the pretensions of the Hierarchy increased, the weapon of excommunication became the instrument by which the clergy attained a combination of ecclesiastical power and secular tyranny that finds no parallel in history.
Übersetzung durch www.DeepL.com/Translator:
Die Autorität [bessere Übersetzung vielleicht hier: rechtliche Grundlage] für die Exkommunikation, so behaupten sie, beruht auf den Lehren Christi und der Apostel, wie sie in den folgenden Schriften zu finden sind: Matthäus 18:15-19, 1. Korinther 5:3-5, 16:22; Galater 1:8, 9; 1. Timotheus 1:20; Titus 3:10. Aber die Exkommunikation der Hierarchie als Strafe und „medizinisches“ Heilmittel (Katholische Enzyklopädie) findet in diesen Schriften keine Unterstützung. In der Tat ist sie den biblischen Lehren völlig fremd — Hebräer 10:26-31.
Woher stammt also diese Praxis? In der Encyclopædia Britannica heißt es, dass die päpstliche Exkommunikation nicht ohne heidnischen Einfluss ist, „und ihre Variationen können nicht angemessen erklärt werden, es sei denn, man berücksichtigt mehrere nichtchristliche Analogien der Exkommunikation.“. [...]
Später, als die Ansprüche der Hierarchie zunahmen, wurde die Waffe der Exkommunikation zum Instrument, mit dem der Klerus eine Kombination aus kirchlicher Macht und weltlicher Tyrannei erlangte, die in der Geschichte keine Parallele findet.
Das Erwachet bestätigt also, Exkommunikation (Ausschluss) ist unbiblisch, da ja Hebräer 10:30 das Gericht allein Gott zuspricht:
Hebräer 10:30 (Elberfelder Übersetzung [1871])
Denn wir kennen den, der gesagt hat: „Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr“. Und wiederum: „Der Herr wird sein Volk richten“.
Der Artikel, der im englischsprachigen Erwachet vor dem oben erwähnten Artikel stand ("False Apostolic Successors") erschien im deutschsprachigen Erwachet Nr. 593 vom 8. Juni 1947 unter dem Titel "Falsche apostolische Nachfolger". Der oben zitierte Artikel "Are You Also Excommunicated?" wurde dort bereits nicht mehr wiedergegeben. Wenige Jahre später (meines Wissens 1952 oder 1953) wurde die Waffe der Exkommunikation auch bei den Zeugen Jehovas eingeführt, obwohl sie gemäß ihrem eigenem Wissen unbiblisch ist.

Was sagt die WTG, wenn jemand seine Religion verlassen möchte um zu den Zeugen Jehovas zu gehen?

Erwachet Juli 2009, S. 28-29 (Ist es verkehrt, wenn man den Glauben wechselt):
Die Bibel macht einen deutlichen Unterschied zwischen wahren und unwahren Glaubenslehren. Dennoch lässt Gott jedem Menschen Entscheidungsfreiheit (5. Mose 30:19, 20). Niemand sollte zu religiösen Handlungen gezwungen werden, die er für unvertretbar hält. Und niemand sollte gezwungen werden, sich zwischen seiner Familie und seinem Glauben zu entscheiden. Die Bibel bringt Familien keineswegs auseinander. Sie rät Ehepaaren unterschiedlicher Konfessionen sogar ausdrücklich zusammenzubleiben (1. Korinther 7:12, 13).
Warum gilt diese Aussage zur Entscheidungsfreiheit nicht für Menschen, die sich von der WTG distanzieren und die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas verlassen?
Website der WTG, Biblische Lehren → Fragen → Vater und Mutter ehren
„Ehre deinen Vater und deine Mutter“ – was bedeutet das?

Falsche Vorstellungen über das Gebot, Vater und Mutter zu ehren
Was manche denken: Vater und Mutter zu ehren bedeutet, ihre religiöse Überzeugung zu teilen.
Fakt ist: Die Bibel legt uns nahe, unseren Glauben zu prüfen (Apostelgeschichte 17:11; 1. Johannes 4:1). Wer das macht, entscheidet sich vielleicht nicht für die Religion seiner Eltern. In der Bibel werden einige treue Diener Gottes erwähnt, die auch die Religion ihrer Eltern verließen, zum Beispiel Abraham, Ruth und der Apostel Paulus (Josua 24:2, 14, 15; Ruth 1:15, 16; Galater 1:14-16, 22-24).
Wie passt diese Aussage zu den Lehrvideos der WTG wie „Jehovas Urteile loyal unterstützen“ oder „Bewahre Loyalität mit einem geeinten Herzen“ in denen gezeigt wird, wie Eltern, die Zeugen Jehovas sind, den Kontakt zu den eigenen Kindern abbrechen, nachdem diese die Zeugen Jehovas verlassen haben? Gilt die Aufforderung, „unseren Glauben zu prüfen“ nicht auch für die, die in der WTG sind? Warum wird man hier dafür streng bestraft, wenn der Aufforderung der WTG folgt, den eigenen Glauben prüft und man danach seinen Glauben an die Leitung der „Leitende Körperschaft“ in Frage stellt?

Welche Einstellung hat die WTG zu jemandem, der die Zeugen Jehovas verlassen hat?

Wachtturm 15.1.1953 S. 63-64 (Fragen von Lesern):
Wie sollten ein Vater, eine Mutter, Sohn oder Tochter, denen die Gemeinschaft entzogen wurde, von den übrigen Gliedern der Familiengemeinschaft behandelt werden? — P. C., Ontario, Canada.
Wir leben heute nicht unter theokratischen Nationen, wo solche Glieder unserer Familiengemeinschaft im Fleische ausgerottet werden können, weil sie von Gott und seiner theokratischen Organisation abgefallen sind, wie es in der Nation Israel, in der Wüste Sinai und im Lande Palästina möglich und angeordnet war. „Du sollst ihn gewißlich töten. Deine Hand soll zuerst an ihm sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volkes; und du sollst ihn steinigen, daß er sterbe. Denn er hat gesucht, dich abzuleiten von Jehova, deinem Gott, ... Und ganz Israel soll es hören und sich fürchten, damit man nicht mehr eine solche Übeltat in deiner Mitte begehe.“ — 5. Mose 13:6-11.

Da uns durch die Gesetze der weltlichen Nationen, unter denen wir leben, und auch durch die Gesetze Gottes durch Christus Jesus Schranken auferlegt sind, können wir nur bis zu einem gewissen Grade gegen Abgefallene Schritte unternehmen, das heißt in Übereinstimmung mit beiden Gesetzgebungen. Das Gesetz des Landes und das Gesetz Gottes durch Christus Jesus verbietet uns, Abgefallene zu töten, auch wenn sie Glieder unserer eigenen Blutsverwandtschaft sind. Gottes Gesetz jedoch verlangt von uns, den Entzug der Gemeinschaft mit der Versammlung anzuerkennen, und dies trotz der Tatsache, daß das Gesetz des Landes, in dem wir leben, von uns aus natürlicher Verpflichtung verlangt, mit solchen Abgefallenen unter einem Dach zu leben und mit ihnen Umgang zu haben.

Zugegeben, der Wachtturm ist schon etwas älter (1953). Aber die Kernaussage der Abstätze ist doch, dass man einen „Abgefallenen“ am liebsten töten würde, das aber aufgrund der Gesetzeslage nicht darf. Äußerungen neuerer Zeit auch in Videos zeigen aber durchaus eine ähnliche Einstellung, wenn auch die Wortwahl etwas gemäßigter ist.
Unabhängig von der Frage, ob man das Verlassen der Juden damals mit dem Verlassen der ZJ heute vergleichen kann — Aber passt die hinter obiger Aussage liegende Einstellung mit der von Liebe geprägten Lehre Jesu zusammen? Hat er nicht erklärt, man solle ein verlorenes Schaf suchen und liebevoll zur Herde zurückführen (Lukas 15:4)? Wie freute sich der Vater, als sein verlorener Sohn zurückkehrte, der der Familie durch seinen Lebenswandel Schande bereitet hatte und viel Geld verprasst hatte (Lukas 15:20)? War die Liebe des Vaters in Jesu Gleichnis an Bedingungen geknüpft? Musste dieser Sohn erst bereuen und wurde monatelang gemieden, bis er wieder mit seiner Familie an einem Tisch sitzen durfte (Lukas 15:23, 24)?

Änderungen beim Thema Ausschluss mit dem Lagebericht 2/2024

Der Lagebericht als Video dauerte ca. 20 Minuten. Hier habe ich die Stellen aus der deutschen Übersetzung festgehalten, die mir am interessantesten schienen. Vor der jeweiligen Aussage findet sich der Zeitpunkt für die Aussage im Video.
Lagebericht 2/2024 (Video, vorgetragen durch Mark Sanderson, Mitglied der LK):
04:00 Die Leitende Körpderschaft hat unter Gebet überlegt, wie sich Jehovas Barmherzigkeit noch besser darin widerspiegeln kann, wie wir mit Sündern in der Versammlung umgehen und das hat zu einem besseren Verständnis von drei Bibelstellen geführt.
[…]
06:57
Welche Auswirkungen hat das bessere Verständnis dieser Verse auf unsere momentane Vorgehensweise?
Zur Zeit trifft sich ein Komitee aus Ältesten normalerweise nur einmal mit dem Sünder. Doch die leitende Körperschaft hat entschieden, dass das Komitee sich dazu entschließen kann, sich mehr als einmal mit demjenigen zu treffen.
08:00
Was ist, wenn getaufte Minderjährige, also Personen unter 18 Jahren eine schwere Sünde begehen? Bisher war es so, dass ein getaufter Minderjähriger gemeinsam mit seinen christlichen Eltern mit einem Komitee aus Ältesten zusammenkommen musste. Die neue Vorgehensweise ist, dass sich zwei Älteste mit dem getauften Minderjährigen und seinen christlichen Eltern treffen. Die Ältesten bringen in Erfahrung, welche Schritte die Eltern bereits unternommen haben um ihrem Kind zu helfen, zur Reue zu gelangen. Wenn der Minderjährige eine gute Einstellung hat und die Eltern zu ihm durchdringen, können die beiden Ältesten entscheiden, dass keine weiteren Schritte notwendig sind.
[…]
Aber was ist wenn ein getaufter Minderjähriger nicht bereut und weiter auf seinem schlechten Weg bleibt? In diesem Fall würde ein Komitee aus Ältesten mit ihm und seinen christlichen Eltern zusammen kommen. Die leitende Körperschaft ist sich sicher, dass diese Anpassungen Jehovas Wunsch entsprechen, einen Sünder zur Reue zu führen.
13:10
Was wenn jemand der ausgeschlossen ist, zu einer Zusammenkunft kommt?
Bis jetzt war es so geregelt, dass wir jemanden, der aus der Versammlung entfernt wurde, nicht begrüßen. Doch nun hat die leitende Körperschaft entschieden, dass Verkündiger entsprechend ihrem biblisch geschulten Gewissen entscheiden können, ob sie eine ausgeschlossene Person, die unsere Zusammenkünfte besucht, kurz begrüßen und willkommen heißen. […] Wir würden zwar kein längeres Gespräch mit demjenigen führen oder sozialen Kontakt pflegen, aber wir brauchen ihn auch nicht völlig zu ignorieren.
14:45
2. Joh 9-11
[…] Nach einer Untersuchung des Kontextes dieser Verse, ist die leitende Körperschaft zu dem Schluss gekommen, dass der Apostel Johannes hier über Abtrünnige und Andere spricht, die falsches Verhalten aktiv fördern. Johannes hat Christen aus gutem Grund eindringlich aufgefordert, so jemanden nicht einmal zu grüßen, weil derjenige einen äußerst schlechten Einfluss ausübt. Deshalb, wenn eine ausgeschlossene Person als Abtrünniger bekannt ist oder aktiv falsches Verhalten fördert, dann würden die Ältesten sie nicht besuchen. Und als Einzelne würden wir eine solche Person weder grüßen, noch sie dazu einladen unsere Zusammenkünfte zu besuchen.
Generell ist es für Ausgeschlossene schön, wenn sie etwas milder behandelt werden. Bisher musste man sich monatelang demütigen und in die Versammlung kommen, wo man ignoriert wurde, wenn man wieder zurück wollte.
Was mir bei all den Beschlüssen aufgefallen war, waren Aussagen wie „Die Leitende Körpderschaft hat unter Gebet überlegt“, „die leitende Körperschaft hat entschieden“ oder „ist die leitende Körperschaft zu dem Schluss gekommen“. Es ist gut zu sehen, dass sich die Herren nicht mehr den Anschein geben, als wäre das durch den Geist Jehovas auf sie gekommen, sondern sie „haben entschieden“. „[…] ihr werdet ganz bestimmt sein wie Gott, erkennend Gut und Böse.“ (1. Mose 3:5)
Es gibt auch Gerüchte, dass die Änderungen in Bezug auf Minderjährige getroffen wurden, nachdem der WTG in Norwegen staatliche Gelder und Vorrechte genau wegen der Ächtung Minderjähriger entzogen wurden und man Angst vor einem Schneeballeffekt in Europa hatte. Allerdings, wenn man die Aussage genau anhört, spricht Mark Sanderson immer noch davon, dass für einen Jugendlichen der nicht bereut, ein Komitee gebildet wird. Ob es dann doch zu einem Ausschluss inklusive Ächtung kommen kann, lässt er offen.
Die Einstellung gegenüber „Abtrünnigen“, also beispielsweise solchen, die „aufrichtig Zweifel an der biblischen Wahrheit, wie Jehovas Zeugen sie lehren“ (Zitat aus dem Ältestenbuch) äußern, hat sich dabei nicht geändert. Zu groß ist hier wohl die Angst, dass Zweifel auch bei aktiven ZJ geweckt werden könnten. Der angesprochene Apostel Johannes hatte mit seinen Formulierungen sicherlich nicht gemeint, dass derjenige abtrünnig (das Wort hat er nie verwendet) wäre, der einen menschlichen Mittler ablehnt. Für ihn gab es nur einen Mittler: Jesus Christus (1. Timotheus 2:5 - ja, der Text ist von Paulus, aber inspiriert. Im Gegensatz zu den wechselnden Aussagen der LK).