Glauben — An wen oder was sollten wir glauben?

Apostelgeschichte 16:31
Sie sprachen: "Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und deine Hausgenossen."

An was sollten wir glauben?

Glauben an Jesus?

Im nachfolgenden Text geht um Apostelgeschichte 16:30-34
„Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden“ wurde ihnen gesagt. Unter dem einfachen Ausdruck „Glaube an den Herrn Jesus“ ist vieles zu verstehen. Dies und auch die Tatsache, daß der unbeschnittene Heide Kornelius und die Mitgläubigen in seinem Haus „im Namen Jesu Christi getauft“ wurden, läßt die Frage aufkommen: Im Hinblick auf wen sollte der wichtigste Schritt zur Rettung getan werden — im Hinblick auf Jesus Christus oder auf Jehova Gott? Die Antwort geht aus folgender Tatsache hervor: Nachdem Paulus und Silas dem Gefängnisaufseher in Philippi deutlich gesagt hatten, was er tun müsse, um „gerettet zu werden“, redeten sie zu ihm und seinen Hausgenossen „das Wort Jehovas“, und „jetzt, da er zum Glauben an Gott gekommen war“, frohlockte er sehr.
Quelle: Der Wachtturm 15. 2. 1973, S. 116, Abs. 18 (Artikel: Dem Hauptvermittler der göttlichen Herrschaft folgen)

Was steht denn in Apostelgeschichte 16:32, wenn es im Artikel heißt »redeten sie zu ihm und seinen Hausgenossen „das Wort Jehovas“«
Apostelgeschichte 16:32 (Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift [1986])
Und sie redeten das Wort Jehovas zu ihm samt all denen, die in seinem Haus waren.
Apostelgeschichte 16:32 (The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures [1985] — mit 1:1 Übersetzung Altgriechisch/Englisch)
καὶἐλάλησαναὐτῷτὸνλόγοντοῦθεοῦσὺνπᾶσιτοῖςἐντῇοἰκίᾳαὐτοῦ.
Andthey spoketo himthewordof theGodtogether withallthe (ones)inthehouseof him
Hier steht also tatsächlich θεοῦ (Gott). Laut Vorwort dient als Quelle für das Griechische der von Westcott und Hort zusammengestellt Text von 1881. Diesen findet man auch auf archive.org. In der Randnote zu θεοῦ (Gott) steht aber auch hier κυριου (Herr):

Bemerkung: die Versnummer steht hier generell am Spaltenanfang, auch wenn der eigentlich Vers wie in diesem Fall erst ab dem vierten Wort der Zeile (καὶ) beginnt.

Interessanter Weise geben aber alle anderen von mir untersuchten Quellen dieses Wort als κυριου (Herr) wieder. Beispielsweise der Elzevir Textus Receptus (1624), Tischendorf (1869), The New Testament in the Original Greek - Byzantine Textform 2005 oder Byzantine Majority Text (2000).
Wie geben andere Übersetzungen den Text wieder?
Apostelgeschichte 16:32 (Elberfelder Übersetzung [1871])
Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Hause waren.
Apostelgeschichte 16:32 (Biblia Sacra Vulgata, Latein)
et locuti sunt ei verbum Domini cum omnibus qui erant in domo eius
Apostelgeschichte 16:32 gehört zu den Texten, in denen die Neue Welt Übersetzung das Wort „Herr“ durch „Jehova“ ersetzt hat. Auch das „Verbum Domini“ aus der Vulgata ist das „Wort des Herrn“, nicht das „Wort Jehovas“.
In früheren Ausgaben des Wachtturms wird der Glaube an Jesus auf den Glauben an sein Loskaufsopfer reduziert:
Es gibt Leute, die gewisse Teile der Bibel beiseite schieben, da sie denken, sie seien nicht so wichtig, und die die Worte anführen, die Paulus an den Kerkermeister richtete: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden.“ (Apg. 16:31, NW) Personen aber, die diese Worte anführen, denken oft nicht an deren Sinn. An den Herrn Jesus Christus zu glauben bedeutet, zu glauben, daß er sein Leben als ein Lösegeld für die Menschheit dahingegeben hat, ferner, daß seine Worte wahr sind und daß man dem Beispiel, das er gegeben hat, folgen soll. (Matth. 20:28; 1. Pet. 2:21)
Quelle: Der Wachtturm 1. 7. 1958, S. 400-406, Abs. 5 (Artikel: Was es bedeutet, ein Christ zu sein)
In späteren Ausgaben des Wachtturms wurde der Glaube an Jesus Christus immerhin wieder positiv erwähnt:
Hier kommt vielleicht die Frage auf: Was hat das mit Gehorsam zu tun? Hat Jesus nicht gesagt, „jeder, der an ihn glaubt“, werde ewiges Leben haben? Ja, Glaube ist absolut wichtig. Doch laut der Bibel ist Glaube nichts Passives. Wie es in einem Wörterbuch zur Bibel heißt, bedeutet das Wort, das Johannes hier gebrauchte, „Vertrauen, nicht lediglich Glaube“ (Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words). Um Gottes Gunst zu haben, reicht es nicht, rein verstandesmäßig anzuerkennen, dass Jesus der Erlöser ist. Der Glaube an Jesus muss mit dem echten Wunsch verbunden sein, seine Lehren im Leben umzusetzen. Ein Glaube, der sich nicht durch Taten äußert, ist leer und inhaltslos. Wie die Bibel sagt, ist „Glaube ohne Werke tot“ (Jakobus 2:26). Mit anderen Worten: Der Glaube an Jesus muss ein aktiver Glaube sein. Er muss sich in der Lebensweise ausdrücken.
Quelle: Der Wachtturm 1. 3. 2014, S. 3-6 (Artikel: Was Gott für uns getan hat, Unterthema „... damit jeder, der an ihn glaubt ...“)
Ein Text, der den Glauben an Jesus (den Menschensohn) explizit herausstellt, ist Johannes 3:14, 15:
Johannes 3:14, 15 (Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift [1986])
Und so, wie Moses die Schlange in der Wildnis erhöhte, so muß der Menschensohn erhöht werden, 15 damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.
Was aber schreibt die „Organisation“, was notwendig ist?

„Glauben an die Organisation!“

Quelle: Der Wachtturm, 1. Juni 1979, S. 12-18 (Artikel: Der Glaube an Jehovas siegreiche Organisation):
20 Jehovas sichtbare Organisation blieb somit wiederum zu seiner Rechtfertigung siegreich. Was war erforderlich, damit Gott hingegebene, getaufte Personen an jenem Sieg teilhaben könnten? Der Glaube an Jehovas theokratische Organisation. […]
23 Haben wir irgendeinen Grund, wegen der wachsenden Schwierigkeiten in der Welt den Glauben an Jehovas sichtbare Organisation zu verlieren?

Resümee

„Glauben an die Organisation“ führt zum Leben. Wenn man in der Literatur der Zeugen sucht, wird man den „Glauben an die Organisation“ weitaus häufiger finden, als den Glauben an Jesus Christus.
Bedeutet das dann aber nicht, dass sich die Organisation der Zeugen Jehovas selbst über Gottes Sohn Jesus Christus stellt?
Dazu ein Kommentar von Charles Taze Russell, dem ersten Herausgeber des Wachtturms:
Zion's Watch Tower, September 1, 1895 page 216:
Beware of "organization." It is wholly unnecessary. The Bible rules will be the only rules you will need. Do not seek to bind others' consciences, and do not permit others to bind yours. Believe and obey so far as you can understand God's Word to-day, and so continue growing in grace and knowledge and love day by day.
Übersetzung durch www.DeepL.com/Translator:
Hüten Sie sich vor der „Organisation“. Sie ist völlig unnötig. Die Regeln der Bibel sind die einzigen Regeln, die Sie brauchen. Versuchen Sie nicht, das Gewissen anderer zu binden, und erlauben Sie nicht, dass andere Ihr Gewissen binden. Glaube und gehorche, soweit soweit du Gottes Wort heute verstehen kannst, und wachse so von Tag zu Tag in Gnade, Erkenntnis und Liebe.
Die Übersetzung "Hüten Sie sich vor der „Organisation“" von Deepl würde ich hier so nicht wählen. Russell meinte sicher nicht „die Organisation“, sondern (religiöse) Organisationen im Allgemeinen, da er keine Organisation exlizit erwähnt. Ich wollte aber die neutrale Übersetzung von Deepl nicht verändern und habe es daher so stehen lassen.
Schriftstudien Band 6, Studie 2 Die neue Schöpfung - Charles Taze Russell:
Das Kennzeichen der Mitgliedschaft, der Zugehörigkeit zur Neuen Schöpfung, ist nicht abhängig von der Zugehörigkeit zu irgendeiner irdischen Gemeinschaft, sondern die Verbindung mit dem Herrn als Glied seines Leibes beruht auf dem Grundsatz, den der Apostel beschreibt: „Ist jemand in Christo, so ist er eine Neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“ (2. Kor. 5:17)